Ein vorbildlicher Nachfolger

Von Bert-Morten Arnicke (aus dem aktuellen Weinberg Campus Magazin 2024)

Geschäftsführer Thomas Hörning (rechts) und IT-Spezialist Taju Mulungu

Thomas Hörning führt die STRADIS Ingenieurgesellschaft am Standort Halle (Saale) seit knapp zwei Jahren. Wir sitzen bei einer Tasse Kaffee am Konferenztisch im STRADIS-Büro, Blücherstraße 26. Ich möchte wissen, wie seine Pläne für die nächsten Jahre aussehen und wie die Übergabe der Geschäftsführung mit seinem Vorgänger Frank Biedermann gelaufen ist. Biedermann war ein „Urgestein“ am Weinberg Campus, umtriebig und engagiert, war unter anderem Vorstandsmitglied des Fördervereins weinberg campus e. V. Aber dazu später.

Zunächst erzählt Hörning über die STRADIS. Wo liegen die Ursprünge des Unternehmens, wie läuft das Business? Die STRADIS wurde kurz vor der Jahrtausendwende im Rheinland-Pfälzischen Bad Kreuznach gegründet. Im Dezember 2024 feiert man deshalb das 25-jährige Firmenjubiläum. Am Anfang ging es vor allem um die Digitalisierung des Straßennetzes im Nachbarbundesland Hessen. Damals noch mit VHS-Videokameras. Später dann mit Industrie-Digitalkameras. Im Grunde dreht sich bei STRADIS alles um die technische Bild- und Videodokumentation von Straßen, Schienen und Wasserwegen mit der zugehörigen Betrachtungs- und Auswertungssoftware. Kunden sind unter anderem Nahverkehrsbetreiber oder Landesstraßenbaubetriebe in Deutschland und Österreich.

STRADIS ist Deutsche Bahn

Aber vor allem arbeitet die STRADIS seit 20 Jahren für die Deutsche Bahn. Die Zahlen sind beeindruckend: 57.000 Kilometer Schienennetz wurden digitalisiert. Fünf Schienenfahrzeuge mit fest verbauter und autonom funktionierender STRADIS-Technik sind im Einsatz. 14.000 Bahn-Mitarbeitende nutzen die so entstandenen georeferenzierten Bilder für turnusmäßige Wartungsarbeiten bei Hochwasserlagen oder Unfällen.

Zehn Menschen arbeiten derzeit für die STRADIS in Halle. Hörnings Team ist international aufgestellt, wie der gesamte Weinberg Campus. Da ist zum Beispiel der IT-Spezialist Taju Mulungo. „Taju ist maßgeblich für die Entwicklung unseres Webclients verantwortlich“, so Hörning. Der Client ist die Zukunft für die STRADIS und ihre Kunden, weil er unabhängig vom Betriebssystem im Browser, Tablet und Smartphone genutzt werden kann. Alle Mess- und Auswertungsfunktionen werden auf dem Server ausgeführt und bieten dem Anwender viel Flexibilität.

Vom Campus profitiert

Bildverarbeitung und -auswertung ist ohne Künstliche Intelligenz nicht mehr denkbar. Zufällig sitzen die KI-Experten gleich hinter der nächsten Tür. Das noch junge Unternehmen DENKweit um die Gründer Dominik Lausch, Kai Kaufmann und Markus Patzold hat sich genau auf diese KI-gestützte Bildauswertung spezialisiert und kollaboriert mit STRADIS.

Ein Beispiel ist das Verpixeln von Gesichtern oder Kennzeichen, das für die Sicherstellung der Standards der Datenschutz-Grundverordnung notwendig ist. Neben dieser konkreten unternehmerischen Kooperation sieht Hörning auch die Nähe zum Institut für Informatik der Uni Halle als wichtigen Standortvorteil. Drei Mitarbeiter wurden direkt von der universitären IT-Schmiede ins Unternehmen geholt. Außerdem bestehen am Campus intensive Geschäftsbeziehungen zu msu solutions beim Thema Elektromobilität.

Thomas Hörning hat seinen Master in Mechatronik an der Hochschule Merseburg gemacht. Einer seiner damaligen Professoren, Uwe Heuert, ist mittlerweile selbst mit seinem Unternehmen exceeding solutions in unmittelbare Nähe auf den Weinberg Campus gezogen. Die Dinge scheinen sich für Hörning, den gebürtigen Tauchaer, gut zu fügen. Nach seiner Ausbildung zum IT-Meister bei der Bundeswehr und seinem Master-Abschluss in Mechatronik an der Hochschule Merseburg folgte der unmittelbare Einstieg in die unternehmerische Praxis bei STRADIS. Über zwei Kommilitonen beim ebenfalls am Weinberg Campus ansässigen Unternehmen HKS Prozesstechnik kam 2018 der Kontakt zu Frank Biedermann, dem damaligen Geschäftsführer und Gesellschafter, zustande. Für 2022 wurde die gemeinsame Geschäftsführung vereinbart.

Aber wie verlief der Weg bis zur Übernahme der unternehmerischen Verantwortung? Selten hört man von so unkomplizierter Nachfolge wie im Fall Biedermann/Hörning. „Frank nahm mich zu jedem Kundengespräch mit. Er stellte mich allen vor, übertrug mir nach und nach Projekte und Verantwortung“, erzählt Hörning. Diese Phase war geprägt von Vertrauen und Offenheit. „Ich bekam Einblick in die Zahlen und lernte von Frank vor allem eine Lektion: ‚Das Wichtigste sind partnerschaftliche Kundenbeziehungen.‘“

Enorm wichtig dabei: Frank Biedermann konnte loslassen. Noch immer, auch nach der Übergabe der Geschäftsführung, kann er Biedermann jederzeit anrufen, um Rat fragen oder Kontakte vermitteln lassen. „Aber umsetzen muss ich die Dinge natürlich selbst“, so Thomas Hörning. „Heute bin ich Geschäftsführer, aber vor allem auch Techniker“. Und als Geschäftsführer ist ihm gesundes Wachstum wichtig. Allerdings nicht um jeden Preis. „Wachstum mit Augenmaß“, lautet seine Devise.

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Foto (Th. Meinicke): Geschäftsführer Thomas Hörning (rechts) und IT-Spezialist Taju Mulungu