Prof. Dr. Stephan Michael Feller

Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Molekulare Medizin
Sektionsleiter der Sektion für Tumorbiologie

Ich bin Tumorbiologe am Institut für Molekulare Medizin der Martin-Luther-Universität und nach 13 Jahren an der Universität Oxford im Jahre 2013 an die MLU gekommen. Im Moment sind wir noch im ZAMED in der Heinrich-Damerow-Straße beheimatet, werden aber sehr bald in das neu gebaute Charles Tanford Proteinforschungszentrum umziehen.

Unsere Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit der Signalübertragung innerhalb von gesunden Zellen und Tumorzellen. Diese Steuermechanismen sind für das bessere Verständnis von Erkrankungen und die Entwicklung einer personalisierten Medizin von zentraler Bedeutung. Dabei interessiert uns aktuell besonders die molekulare Architektur der Signalverarbeitung in diesen Zellen. Wir kennen viele der Protein-Bausteine, aber es fehlt noch ein tieferes Verständnis der dynamischen Ultrastruktur von Signalnetzwerken, die aus den Einzelbausteinen entstehen.

Welchen Stellenwert hat Ihre Forschungsarbeit im nationalen und internationalen Kontext?

Wir sind seit ca. 20 Jahren in der Tumorforschung tätig und finanzieren unsere Forschung seitdem durch kompetitive nationale und internationale Drittmittel, auch im Rahmen internationaler Konsortien. Unsere Konzepte, beispielsweise im Bereich der molekularen Grundlagen des ‘Cross-Talks’ von Signalwegen, haben international Beachtung gefunden. Derzeit versuchen wir, zusammen mit Frau Prof. Andrea Sinz aus der Pharmazie, einen lokalen Forschungsschwerpunkt im Bereich der intrinsisch ungefalteten Proteine aufzubauen, ein noch wenig beachteter Teil des menschlichen Proteoms mit ganz wichtigen Funktionen.

Die Forschungsinstitute auf dem Weinberg Campus sind mit ihren Erfolgen im Bereich der Proteinforschung schon lange ein Begriff. Das neue Proteinzentrum bietet eine sehr gute Chance die Proteinforschung noch weiter auszubauen, insbesondere wenn es gelingt noch mehr erstklassige Nachwuchsforscher aus dem In- und Ausland anzulocken. Die Forschungskontakte Richtung Osten sind ja, historisch bedingt, schon sehr gut, aber bei den Interaktionen mit führenden Forschungsnationen, z. B. Großbritannien oder den USA, sehe ich noch Potenzial.

Ein Beispiel: Die EU hat uns gerade über 2 Mio. Euro bewilligt, um das HAL-OX Forschungsnetzwerk mit biomedizinischen Wissenschaftlern in Oxford weiter auszubauen. In diesem Bereich kann aber auch das Land Sachsen-Anhalt sicher noch Ideen entwickeln, um die bereitstehenden Fördermilliarden des Bundes für Nachwuchstalente in der Forschung zu nutzen.

Welche Vorteile bietet heute die Arbeit am Weinberg Campus?

Ich möchte den Bogen zunächst etwas weiter spannen. Ich finde, Halle ist eine tolle Stadt, gerade für junge Familien. Die Mieten sind günstig, Wege sind kurz, und es regnet wenig, ideal für Radfahrer. Tolle Architektur, ein gutes Kulturangebot, die Leopoldina, die Burg und natürlich die Universität machen das Leben und Arbeiten hier spannend. Die Stadt hat meines Erachtens noch sehr viel Potenzial, gerade auch als Wissenschaftsstadt, und der Weinberg Campus spielt dabei eine zentrale Rolle.

Auf dem Campus findet unsere Arbeitsgruppe sehr gute Möglichkeiten zur produktiven Zusammenarbeit, unter anderem bei Methoden, die wir selbst nicht vorhalten können, z. B. im Bereich der Protein-Kristallographie (Prof. Milton Stubbs), in der NMR (Prof. Jochen Balbach), im Bereich der Massenspektrometrie (Prof. Sinz) und bei der Entwicklung von Inhibitormolekülen (Dr. Mirko Buchholz, AG Wirkstoffdesign, Fraunhofer IZI). Auch das gerade neu in Betrieb genommene Kryo-Elektronenmikroskop könnte für unsere Arbeiten noch wichtig werden.

Was wünschen Sie sich aus Sicht der Forschung und aus ganz persönlicher Perspektive für den Weinberg Campus?

Ich wünsche mir, dass wir noch viele junge Talente aus aller Welt mit guten Angeboten anlocken können, die dann neue Ideen z. B. auch im Bereich von biomedizinischen Start-Up-Unternehmen in den Campus bringen. Für meine eigene Forschung wünsche ich mir, dass sich wenigstens manche unserer hochfliegenden Konzepte als einigermaßen richtig herausstellen. Von dem Briten Thomas Henry Huxley (Biologe und Anatom, 1825-1895) stammt der bedenkswerte Satz "Die große Tragödie der Wissenschaften – der Tod wunderschöner Hypothesen durch häßliche Fakten".

Fällt Ihnen eine kuriose Geschichte ein, die Sie mit dem Weinberg Campus verbinden?

Als wir 2013 nach Halle kamen war das Hochwasser sehr akut. Ich habe mich dann erst einmal vergewissert, ob unser neues Charles Tanford Proteinforschungszentrum – und vor allem unsere Räume darin – auch wirklich flutsicher sein wird. Dann schläft man einfach besser. Beruhigenderweise macht der Weinberg Campus seine Namen da alle Ehre. Er ist zwar kein prominenter Berg, aber liegt doch hoch genug, so dass man sich da sicher fühlt.

Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
ZAMED (Zentrum für Angewandte Medizinische und Humanbiologische Forschung)
Heinrich-Damerow-Straße 1
06120 Halle (Saale) 

Telefon: +49 345 552-2915
E-Mail: stephan.feller@uk-halle.de

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